{"id":2477,"date":"2022-10-20T14:29:58","date_gmt":"2022-10-20T11:29:58","guid":{"rendered":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/?p=2477"},"modified":"2022-10-20T14:29:58","modified_gmt":"2022-10-20T11:29:58","slug":"fur-deutschland-zieht-der-aktuelle-europaische-islamophobiebericht-eine-durchwachsene-bilanz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/index.php\/2022\/10\/20\/fur-deutschland-zieht-der-aktuelle-europaische-islamophobiebericht-eine-durchwachsene-bilanz\/","title":{"rendered":"F\u00fcr Deutschland zieht der aktuelle europ\u00e4ische Islamophobiebericht eine durchwachsene Bilanz"},"content":{"rendered":"<p><em>F\u00fcr den Kampf gegen den Hass fordert der Islamophobiereport 2021 von der Bundesregierung, mehr f\u00fcr Bildung, den Kampf gegen Gewalt und die Sichtbarkeit von Minderheiten zu tun.<\/em><\/p>\n<p>(iz). Seit sieben Jahren wird der j\u00e4hrliche europ\u00e4ische \u201eIslamophobiareport\u201c von den Politologen Enes Bayrakl\u0131 und Dr. Farid Hafez herausgegeben. In jedem Band schreiben AutorInnen aus Forschung und Zivilgesellschaft \u00fcber einzelne L\u00e4nder.<\/p>\n<p>In Hinblick auf die Bundesrepublik kommt der Autor (der Politik- und Religionswissenschaftler Zubair Ahmad) zu einem ambivalenten Bild. Obwohl die Zahl der \u201epolitisch motivierten Verbrechen\u201c inmitten einer globalen Pandemie um 23,17 Prozent angewachsen ist, gingen \u201eislamophobe Vorf\u00e4lle\u201c um 28,65 Prozent zur\u00fcck. Ahmad sprach von insgesamt 732 F\u00e4llen aus dem vorliegenden Themenbereich.<\/p>\n<p>2021 h\u00e4tten \u201ediskursive Events\u201c ihre Spuren hinterlassen. In ihnen seien MuslimInnen und Islam als \u201egef\u00e4hrlich, bedrohlich und konfliktiv\u201c geframt worden. Als Beispiele nennt er die aus \u00d6sterreich importierte Debatte \u00fcber den \u201epolitischen Islam\u201c sowie Vorstellungen einer \u201ekonfrontativen Religionsaus\u00fcbung\u201c. Immer noch seien rassistische Einstellungen bei uns pr\u00e4valent.<\/p>\n<p>In Bezugnahme auf Erkenntnisse des DeZIM (Mai 2022) glauben 49 Prozent der Befragten an die Existenz \u201emenschlicher Rassen\u201c, w\u00e4hrend ein Drittel von der \u00dcberlegenheit mancher ethnischer Gruppen \u00fcberzeugt ist. Andererseits erkennt eine gro\u00dfe Mehrheit der befragten Deutschen die Existenz von Rassismus an. 61 Prozent sieht ihn als allt\u00e4gliche Realit\u00e4t, w\u00e4hrend 22 Prozent selbst einmal rassistische Diskriminierung erleben mussten.<\/p>\n<p>Parallel zu abstrakten Einstellungen in der Bev\u00f6lkerung (wie sie durch die Leipziger Autoritarismus-Studie dokumentiert werden) sahen die letzten Jahre eine \u201eenorme Zunahme\u201c an Angriffen auf MuslimInnen in Deutschland. Seit 2017 werden solche Vorf\u00e4lle gesondert vom Bundesinnenministerium erfasst. Allerdings kam es in den Pandemiejahren 2020 und 2021 zu einem signifikanten Niedergang; die absolute Mehrheit der T\u00e4ter stammt aus dem rechtsextremen Milieu. Kritisch merkt der Bericht an, dass die Bundesgeneralanwaltschaft bisher kein Verfahren in dieser Hinsicht er\u00f6ffnet habe.<\/p>\n<p>Eine Schl\u00fcsselrolle im \u00f6ffentlichen Diskurs hat f\u00fcr den Autor der Begriff des und die Debatte \u00fcber den \u201ePolitischen Islam\u201c. Verschiedene Stimmen haben sich kritisch mit dem Konstrukt auseinandergesetzt, das zu einem Kollektivverdacht gegen MuslimInnen und der Einschr\u00e4nkung ihrer Grundrechte f\u00fchre sowie eine negative Projektionsfl\u00e4che sei. Die zitierte Islamwissenschaftlerin Gudrun Kr\u00e4mer bezeichnete Vorst\u00f6\u00dfe wie in \u00d6sterreich, unter dem Schlagwort \u201epolitischer Islam\u201c gesonderte Rechtsverst\u00f6\u00dfe zu kreieren, als \u201eabsurd\u201c, solange rechtskonforme Begriffsdefinitionen fehlten. Trotz dieser Kritik ver\u00f6ffentlichte die Union ein Positionspapier, das sich auf dieses Vorbild beziehe. Darin werde der Begriff verwendet, um Muslime und Islam als Sicherheitsbedrohung darzustellen. Gleichzeitig w\u00fcrden ansonsten extreme Verschw\u00f6rungstheorien einer muslimischen Unterwanderung wiederholt.<\/p>\n<p>Positiv merkt der Report an, dass die Bundesregierung entscheidende Schritte \u201eim Kampf gegen Rassismus, rechten Extremismus, Antisemitismus und Antiziganismus\u201c unternommen habe. Trotzdem w\u00fcrde die Nutzung des Begriffs \u201epolitischer Islam\u201c eine Verbindung zwischen Religiosit\u00e4t, Kriminalit\u00e4t und Gef\u00e4hrlichkeit schaffen. Dar\u00fcber hinaus fehle es in der Gesellschaft, die sich des Rassismus bewusst sei, an der Anerkennung von strukturellen Diskriminierungen.<\/p>\n<p>Zur Bek\u00e4mpfung von antimuslimischer Diskriminierung wurden unter anderem diese Handlungsempfehlungen ausgesprochen: St\u00e4rkung der Menschenrechtsbildung, koordinierte Strafverfolgung und Anklage islamfeindlicher Straftaten, ausreichende Ausstattung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sowie eine gr\u00f6\u00dfere Repr\u00e4sentation von Menschen mit Migrationshintergr\u00fcnden in relevanten Sektoren der Gesellschaft.<\/p>\n<p><strong>Link:<\/strong> <a href=\"https:\/\/islamische-zeitung.de\/fuer-deutschland-zieht-der-aktuelle-europaeische-islamophobiebericht-eine-durchwachsene-bilanz\/\">https:\/\/islamische-zeitung.de\/fuer-deutschland-zieht-der-aktuelle-europaeische-islamophobiebericht-eine-durchwachsene-bilanz\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr den Kampf gegen den Hass fordert der Islamophobiereport 2021 von der Bundesregierung, mehr f\u00fcr Bildung, den Kampf gegen Gewalt und die Sichtbarkeit von Minderheiten zu tun. (iz). Seit sieben Jahren wird der j\u00e4hrliche europ\u00e4ische \u201eIslamophobiareport\u201c von den Politologen Enes Bayrakl\u0131 und Dr. Farid Hafez herausgegeben. In jedem Band schreiben AutorInnen aus Forschung und Zivilgesellschaft \u00fcber einzelne L\u00e4nder. In Hinblick auf die Bundesrepublik kommt der Autor (der Politik- und Religionswissenschaftler Zubair Ahmad) zu einem ambivalenten Bild. Obwohl die Zahl der \u201epolitisch motivierten Verbrechen\u201c inmitten einer globalen Pandemie um 23,17 Prozent angewachsen ist, gingen \u201eislamophobe Vorf\u00e4lle\u201c um 28,65 Prozent zur\u00fcck. Ahmad sprach von insgesamt 732 F\u00e4llen aus dem vorliegenden Themenbereich. 2021 h\u00e4tten \u201ediskursive Events\u201c ihre Spuren hinterlassen. In ihnen seien MuslimInnen und Islam als \u201egef\u00e4hrlich, bedrohlich und konfliktiv\u201c geframt worden. Als Beispiele nennt er die aus \u00d6sterreich importierte Debatte \u00fcber den \u201epolitischen Islam\u201c sowie Vorstellungen einer \u201ekonfrontativen Religionsaus\u00fcbung\u201c. Immer noch seien rassistische Einstellungen bei uns pr\u00e4valent. In Bezugnahme auf Erkenntnisse des DeZIM (Mai 2022) glauben 49 Prozent der Befragten an die Existenz \u201emenschlicher Rassen\u201c, w\u00e4hrend ein Drittel von der \u00dcberlegenheit mancher ethnischer Gruppen \u00fcberzeugt ist. Andererseits erkennt eine gro\u00dfe Mehrheit der befragten Deutschen die Existenz von Rassismus an. 61 Prozent sieht ihn als allt\u00e4gliche Realit\u00e4t, w\u00e4hrend 22 Prozent selbst einmal rassistische Diskriminierung erleben mussten. Parallel zu abstrakten Einstellungen in der Bev\u00f6lkerung (wie sie durch die Leipziger Autoritarismus-Studie dokumentiert werden) sahen die letzten Jahre eine \u201eenorme Zunahme\u201c an Angriffen auf MuslimInnen in Deutschland. Seit 2017 werden solche Vorf\u00e4lle gesondert vom Bundesinnenministerium erfasst. Allerdings kam es in den Pandemiejahren 2020 und 2021 zu einem signifikanten Niedergang; die absolute Mehrheit der T\u00e4ter stammt aus dem rechtsextremen Milieu. Kritisch merkt der Bericht an, dass die Bundesgeneralanwaltschaft bisher kein Verfahren in dieser Hinsicht er\u00f6ffnet habe. Eine Schl\u00fcsselrolle im \u00f6ffentlichen Diskurs hat f\u00fcr den Autor der Begriff des und die Debatte \u00fcber den \u201ePolitischen Islam\u201c. Verschiedene Stimmen haben sich kritisch mit dem Konstrukt auseinandergesetzt, das zu einem Kollektivverdacht gegen MuslimInnen und der Einschr\u00e4nkung ihrer Grundrechte f\u00fchre sowie eine negative Projektionsfl\u00e4che sei. Die zitierte Islamwissenschaftlerin Gudrun Kr\u00e4mer bezeichnete Vorst\u00f6\u00dfe wie in \u00d6sterreich, unter dem Schlagwort \u201epolitischer Islam\u201c gesonderte Rechtsverst\u00f6\u00dfe zu kreieren, als \u201eabsurd\u201c, solange rechtskonforme Begriffsdefinitionen fehlten. Trotz dieser Kritik ver\u00f6ffentlichte die Union ein Positionspapier, das sich auf dieses Vorbild beziehe. Darin werde der Begriff verwendet, um Muslime und Islam als Sicherheitsbedrohung darzustellen. Gleichzeitig w\u00fcrden ansonsten extreme Verschw\u00f6rungstheorien einer muslimischen Unterwanderung wiederholt. Positiv merkt der Report an, dass die Bundesregierung entscheidende Schritte \u201eim Kampf gegen Rassismus, rechten Extremismus, Antisemitismus und Antiziganismus\u201c unternommen habe. Trotzdem w\u00fcrde die Nutzung des Begriffs \u201epolitischer Islam\u201c eine Verbindung zwischen Religiosit\u00e4t, Kriminalit\u00e4t und Gef\u00e4hrlichkeit schaffen. Dar\u00fcber hinaus fehle es in der Gesellschaft, die sich des Rassismus bewusst sei, an der Anerkennung von strukturellen Diskriminierungen. Zur Bek\u00e4mpfung von antimuslimischer Diskriminierung wurden unter anderem diese Handlungsempfehlungen ausgesprochen: St\u00e4rkung der Menschenrechtsbildung, koordinierte Strafverfolgung und Anklage islamfeindlicher Straftaten, ausreichende Ausstattung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes sowie eine gr\u00f6\u00dfere Repr\u00e4sentation von Menschen mit Migrationshintergr\u00fcnden in relevanten Sektoren der Gesellschaft. Link: https:\/\/islamische-zeitung.de\/fuer-deutschland-zieht-der-aktuelle-europaeische-islamophobiebericht-eine-durchwachsene-bilanz\/<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2479,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[48],"tags":[],"class_list":["post-2477","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-news"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2477","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2477"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2477\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2480,"href":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2477\/revisions\/2480"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2479"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2477"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2477"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/islamophobiareport.com\/en\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2477"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}